Impuls zum Sonntag

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele
und mit deinem ganzen Denken.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

 

Im Evangelium vom 25.10. stellt uns Jesus diese beiden Gebote als am allerwichtigsten vor: "An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten". Heute wird oft vom "Doppelgebot der Liebe" gesprochen, dabei geht es hier eigentlich um dreierlei: Die Liebe zu Gott – die Liebe zum Nächsten – die Liebe zu Dir selbst. Das soll die Grundlage des christlichen Lebensentwurfes sein. Das klingt so simpel, das alles drei umsetzen, und schon lebt man so, wie es Gott will. Wie schwer ist das doch!

Gott zu lieben, mit ganzem Herzen, das ist doch herausfordernd. Wie soll das denn gehen? Muss ich dann jeden Sonntag zum Gottesdienst? Muss ich jeden Tag beten? Oder ist diese Fragerichtung schon der falsche Weg: Liebe kennt kein "ich muss", sondern handelt aus Freiheit! Wer wirklich liebt, empfindet den Liebesdienst nicht als Muss, nicht als lästige Pflicht. Vielleicht sind alte Begriffe wie "Sonntagspflicht" eher hinderlich, zu begreifen, worum es eigentlich geht: Aus freiem Willen heraus Gott lieben. Alles Tun als Tun für Gott begreifen. Das ist immernoch herausfordernd. Aber möglicherweise einfacher, wenn Du es nicht als Pflicht begreifst, sondern vielmehr aus freier Entscheidung tust.

Den Nächsten zu lieben ist auch nicht gerade leicht. Der Mitbewohner, der ständig das Geschirr dastehen lässt. Der Professor, der die Online-Vorlesung auf montags 8 Uhr gelegt hat. Die Mutter, die schon wieder mal nervt, weil sie ihre Tupperdose zurück will. Lästige Situationen, nervige Menschen gibt es immer wieder. Aber ist es nicht vor allem lästig und nervig, das an sich heranzulassen? Den Nächsten zu lieben heißt vielleicht eher: Einen Blick dafür zu suchen, was Gutes im Anderen steckt. Über Fehler und Schwächen hinwegsehen. Nicht immer alles besser wissen, sondern gelassen mit der Tatsache umzugehen, dass das Gegenüber genauso Gottes Ebenbild ist wie Du selbst.

Und die Liebe zu Dir selbst? Puh. Mit all meinen Gewohnheiten? Mit den Eigenschaften, die ich eigentlich längst ändern wollte? Mit meinem Körper? Andere, die sind perfekt, aber ich doch nicht! Liebe zu Dir selbst, das bedeutet auch: Hinnehmen, dass nicht alles perfekt ist, auch wenn es schwer fällt. Denn die Zusage gilt auch für Dich: Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild. Es ist etwas Göttliches in Dir, trotz aller Unperfektion. Und das darfst Du annehmen.

Die Liebe zu Gott – die Liebe zum Nächsten – die Liebe zu Dir selbst. Darin besteht die Weisung, die uns Jesus in dem Text mit auf den Weg gibt. Vielleicht – und das wünsche ich Dir – findest Du neue Perspektiven, diese drei Gebote zu leben. Neue Perspektiven auf Gott, neue Perspektiven auf den Nächsten und neue Perspektiven auf Dich selbst.